Parteiübergreifend diskutiert man in Deutschland über "Exit-Strategien" für den deutschen Afghanistan-Einsatz.
Der ehemalige Sanitätsoffizier Reinhard Erös ist ein ernstzunehmender Beobachter der Lage in Afghanistan. Mit seiner langjährigen Präsenz vor Ort dürfte er einer der erfahrensten deutschen Afghanistankenner sein.
Die Strategie der pakistanischen Regierung, militante Islamisten durch Verhandlungen und Waffenstillstände von Operationen innerhalb Pakistans abzuhalten, ist offenbar erneut gescheitert. Unter diesen Bedingungen muß die pakistanische Regierung zumindestens punktuell zu militärischem Vorgehen zurückkehren und revidiert ihre Strategie.
Für eine akkurate Bewertung der iranischen Politik müssen die Positionen der iranischen Führung verstanden werden.
Die Situation in Simbabwe ist für Deutschland nur von nachgeordneter sicherheitspolitischer Relevanz und wurde hier bislang nicht erwähnt. Dennoch lassen sich einige sicherheitspolitischen Implikationen der Lage dort festgestellen:
"ABC News" berichtet unter Berufung auf amerikanische und kanadische Behörden, dass Zellen der Hizbollah Anschläge auf jüdische und israelische Ziele in westlichen Staaten vorbereiten würden. Operateure der Hizbollah hätten den Libanon verlassen, und es habe u.a. Ausspähversuche gegen die israelische Botschaft und Synagogen in Kanada gegeben. Die Hizbollah wolle mit Anschlägen auf die Tötung Imad Mughniyehs, der als Führer militanter Aktivitäten der Hizbollah galt, reagieren.
Somalische Piraten gefährden deutsche Interessen zunehmend direkt und haben nach einem Angriff auf ein deutsches Handelsschiff nun
auch deutsche Staatsbürger als Geiseln genommen.
Anmerkung: Der Beitrag wurde aktualisiert.
Der Waffenstillstand zwischen Israel und der Hamas wird sehr instabil sein.
Vor zwei Tagen wurde berichtet, dass die Aufständischen rund zehn Dörfer im Distrikt Arghandab bei Kandahar mit bis zu 500 Kämpfern (einer Quelle zufolge vorwiegend pakistanischer und arabischer Herkunft) eingenommen hätten.
Das "Haqqani-Netzwerk" (HQN) ist neben den Taliban und anderen Akteuren ein Bestandteil der Aufstandsbewegung in Afghanistan. Basis des Netzwerks ist Miram Shah in Nordwaziristan in Pakistan. Die führenden Figuren des Netzwerks sind Jalaluddin Haqqani, der während der Herrschaft der Taliban in Afghanistan ein Ministeramt innehatte, sowie sein Sohn Sirajuddin Haqqani. HQN wird u.a. für den Anschlag auf das Serena-Hotel und eine Militärparade in Kabul verantwortlicht gemacht. Amerikanische Kräfte waren mehrfach gegen Ziele des Netzwerks in Pakistan vorgegangen.
Die Philippinen sind ein allgemein wenig beachtetes Erfolgsbeispiel der Bekämpfung militanter Islamisten.
Zur Lage in Afghanistan wurden in den vergangenen Tagen stark unterschiedliche Bewertungen vorgebracht. Unter Verweis auf spektakuläre Operationen der Aufständischen wie die Gefangenenbefreiung in Kandahar und den starken Anstieg der Zahl der Sicherheitsvorfälle im Südosten wird z.T. von einem Erstarken der Aufständischen ausgegangen, während unter Verweis auf die Erfolge von ISAF und Verbündeten im Süden sogar davon gesprochen wurde, dass der Gegner "am Rand der Niederlage" stehe.
Lage im Süden: Aufständische geschwächt
Mit vermutlich rund 30 Kämpfern, zwei Selbstmordattentätern und einer Autobombe ("VBIED" mit 1,8 t Sprengstoff) gelang es Aufständischen gestern, rund 1.100 Gefangene, darunter vermutlich 400 Aufständische, aus dem Sarposa-Gefängnis in Kandahar zu befreien.
2006 griffen die Aufständischen in Afghanistan teilweise in jeweils dreistelliger Stärke Kräfte von ISAF, OEF oder ANA frontal an, was Befürchtungen nährte, die Aufständischen seien stark genug, zunehmend in Form einer Guerilla (statt asymmetrisch mit IEDs und Selbstmordattentätern) zu handeln. Aufgrund hoher Verluste stellten die Aufständischen den Einsatz dieser Taktik jedoch ein bzw. waren nicht mehr dazu fähig.
Die "RAND Corporation" hat eine Studie zum Thema "Counterinsurgency in Afghanistan" veröffentlicht, die einige bislang in offenen Quellen noch nicht publizierte Informationen zu pakistanischer Unterstützung für Aufständische in Afghanistan enthält:
Das Magazin "Foreign Policy" hat eine kurze Übersicht zu Beispielen für die erfolgreiche Bekämpfung von Terroristen veröffentlicht. Die Beispiele Frankreich, Jordanien, Ägypten, Singapur und Rußland werden jeweils relativ knapp angesprochen. Man könnte noch Israel hinzufügen, wo die Zahl der erfolgreichen Anschläge seit 2002 um mehr als 90% reduziert wurde, und die USA, wo seit dem 11. September 2001 kein einziger Anschlag militanter Islamisten mehr gelang. Auch China, wo im Osten des Landes militante Islamisten aktiv sind, war relativ erfolgreich bei der Verhinderung von Anschlägen.
Auf der türkischsprachigen militant-islamistischen Internetseite "Sehadet Vakti", über die u.a. Videos der "Islamischen Jihad-Union" (IJU) verbreitet werden, ist ein Interview mit Eric Breininger erschienen. Breininger (Hintergrund) droht erneut mit Anschlägen gegen deutsche Interessen und führt den Afghanistaneinsatz als Begründung an. Er deutet an, sich selbst in Afghanistan zu befinden und erwähnt, dass die IJU erneut "Märtyreroperationen" (=Selbstmordanschläge) vorbereite.
Wir unterbrechen unsere Blogpause ausnahmsweise, da wir wider Erwarten Zugang zum Internet haben und ein aktueller Anlass besteht. "Nichts machen die Deutschen besser, jedoch halten sie sich konsequent von allem fern, was Gefahr und Risiko bedeutet. Schon ihr Einsatzgebiet wählten sie, durchaus beherzt und glücklich früh, unter Sicherheitsaspekten aus: Im Norden leben so gut wie keine der fast ausschließlich paschtunischen Taliban.Die Bundeswehr vermeide konsequent Verhalten, das vom Gegner als Konfrontation verstanden werden könnte:
Die Politik der Bundesregierung riskiert, den Ruf der Bundeswehr und Deutschlands nachhaltigen Schaden zuzufügen und die deutsche Außenpolitik noch unglaubwürdiger zu machen. Zudem trägt diese Politik dazu bei, den Erfolg des Einsatzes der NATO in Afghanistan zu gefährden."Gegenüber dem Publikum zuhause aber hat [die Bundesregierung] ihre eigene sicherheitspolitische Welt erfunden, in der es gute und schlechte Soldaten gibt, moralisch hochwertige Einsätze und böse Missionen. Der Begriff Kampfeinsatz darf nicht fallen, und die Mandate des Bundestags kodifizieren eine militärische Schizophrenie: Hier Aufbau, Hilfe, Staatsbildung - dort Kampf, Krieg und Tod.[...]
Deutschlands sicherheitspolitische Welt besteht den Praxistest nicht mehr - weder in Afghanistan noch in der Nato. Darüber werden schwierige Auseinandersetzungen geführt werden müssen, bei denen es um das richtige Konzept und um Einfluss geht, am Ende vielleicht gar um Bündnisfähigkeit oder Isolation."
"Es ist beschämend. Wenn das so weitergeht, wird die Nato untergehen. ...Ich bin sicher, dass sie die Beschränkungen, die ihnen auferlegt werden, verabscheuen. Es ist wichtiger, in Afghanistan erfolgreich zu sein, als die politische Linke und eine Bevölkerung zu beruhigen, die sich von dem Komplex des Zweiten Weltkrieges noch nicht lösen kann."Es wird in Afghanistan keinen Erfolg ohne militärische Bekämpfung des Gegners geben. Militärisches Handeln mag nur 10% von erfolgreicher "Counterinsurgency" ausmachen, aber es sind die grundlegenden 10%.