Nigeria: Sicherheit der Mitarbeiter internationaler Unternehmen
Nigeria ist der wichtigste Ölexporteur Subahara-Afrikas, was das Land zu einem der Interessenschwerpunkte Deutschlands auf dem Kontinent macht bzw. machen sollte. Die innere Stabilität des Landes und damit potentiell auch der Ölexport sind aus verschiedenen Gründen zunehmend gefährdet. Insbesondere die Mitarbeiter internationaler Firmen werden zunehmend zum Ziel von Entführern.Unsere Leserin Christina N. hat sich nun mit einem persönlichen Bericht aus Nigeria gemeldet, der für das sicherheitspolitische Publikum interessant sein könnte:
"Wenn man in die nigerianischen Nachrichten schaut, hat man den Eindruck, dass jeden Tag irgendwo ein paar Europäer oder die Kinder von nigerianischen Regierungsbeamten bzw. diese selbst entführt werden. So geschehen diese Woche: Am Montag wurden sieben Shell-Mitarbeiter entführt und am nächsten Tag gegen Lösegeld freigegeben. Vorige Woche Freitag waren es sechs Arbeiter einer italienischen Öl-Firma. Mir hat ein Kollege erzählt, dass es in diesem Jahr 350 Entführungen gegeben hat. Mal schauen wie viele es am Jahresende sein werden.
Die Firma, für die ich arbeite, hat einen großen Vorteil gegenüber den anderen ausländischen Unternehmen: Sie ist attraktiver Arbeitgeber, leistet quasi Entwicklungshilfe durch Ausbau den Infrastruktur und verdient nicht unmittelbar am schwarzen Gold mit. So lebt es sich als Mitarbeiterin recht sicher in Nigeria.
Die Ingenieure der Öl-Firmen hingegen sind weniger beliebt und verzeichnen eine recht hohe Kidnapping-Quote. Daher fahren wir alle auch die gleichen, gekennzeichneten Autos. So verhindert man mit einem Angestellten einer Öl-Firma verwechselt zu werden. Aber die sind sowieso alle im Süden beheimatet.
Dort befindet sich das Niger-Delta, dass die reichen Ölvorkommen Nigerias beherbergt. Wir sind dort auch aktiv. Alle Mitarbeiter sind dort in einem Camp untergebracht, dass all das bietet, was ein Europäer-Herz begehrt: Klimaanlagen, Swimming-Pool, Club-Haus mit Ausschank alkoholischer Getränke und vieles mehr. So gibt es ein Camp im Niger-Delta, dass wir mit westlichen Mitarbeitern anderer internationaler Firmen teilen, und dass einen kompletten Golfplatz (!!!) beinhaltet. Allerdings dürfen die Menschen dort das Camp aus Sicherheitsgründen nicht verlassen. In einem anderen Camp im Niger-Delta werden die Arbeiter mit einem Helicopter zur Arbeit geflogen, da eine Autofahrt zu gefährlich ist. Dieses Camp liegt an einem idyllischen Strand, den wir auch nicht betreten dürfen, da die oben erwähnten Entführer über Speed-Boote verfügen und sich Leute von Strand schnappen - nachdem sie die Wachen erschossen haben.
In Abuja, der Hauptstadt von Nigeria, lebt es sich relativ sicher. Man ist angehalten das Camp nicht alleine zu verlassen. Dafür bekommt man von der Firma einen Auto samt Fahrer gestellt. So fährt man dann zur Arbeit, ins Einkaufszentrum oder in die nächste Busch-Bar. Viel mehr gibt es in Abuja auch nicht. Klaus Pfähler, der Landesbeauftragte der Konrad-Adenauer-Stiftung für Nigeria schreibt dazu in der Zeitschrift KASpekte:
"Die Hauptstadt Abuja, wo ich wohne, ist eine
Kunststadt wie Brasilia und ganz in Ordnung. Zwar gibt es in Abuja nichts von
Interesse, aber wenigstens auch keine Mülldeponien oder Slums mitten in der
Stadt. Wie in Lagos. Sieht vor allem nachts aus wie eine Filmkulisse in einem
Katastrophenfilm. Nach der Katastrophe."
Der Weblog Sicherheitspolitik dankt Christina N. für ihre Eindrücke und wünscht ihr beruflichen Erfolg, positive Erfahrungen und vor allem eine sichere Rückkehr in die Heimat!(Bildquelle: CIA)
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