Afghanistan: Wunschdenken des britischen Aussenministeriums


Der britische Aussenministerium hat auf den aktuellen Bericht der Organisation "Senlis Council" reagiert und behauptet, von den Taliban gehe " keine glaubwürdige Bedrohung" für Afghanistan aus. Es sei zudem kein Erstarken der Taliban zu beobachten.

Der "Senlis Council" hatte auf durchaus solider Grundlage angegeben, dass die Taliban ihre Präsenz in Afghanistan deutlich ausgeweitet hätten und die Regierung in Gefahr sei, falls die NATO ihre Strategie nicht ändere und ihre Präsenz deutlich verstärke.

Aus deutscher Sicht ist Zurückhaltung bei der Kritik an Großbritannien geboten, das deutlich mehr Einsatz in Afghanistan zeigt als Deutschland, dessen Soldaten größere Opfer erbringen und dessen Streitkräfte teilweise dadurch behindert werden, dass sie von Staaten wie Deutschland so wenig Unterstützung im Süden des Landes erhalten.

Dennoch ist die Darstellung des britischen Aussenministeriums so unglaubwürdig, dass man kaum davon ausgehen kann, dass sie ernst gemeint ist.

 
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Comments

  • 30 Nov 2007 Kuerassier wrote:
    Die Briten müssen so argumentieren, da sie ansonsten eingestehen müssten, dass ihr mit keinem Alliierten abegesprochener Alleingang in Musa Qala eben nicht den erhofften Erfolg gebracht hat. Sondern eher den Taliban in die Hände gespielt hat. Hinzu kommt, dass die neue Regierung in GB aufgrund schwindender Umfragewerte mögliche "Baustellen" schliessen muss. Aber gerade die Briten sind es, die sehr schnell mit dem Finger auf andere zeigen. Deutschland hat dies in den vergangenen Monaten auf sehr unbritische Art immer wieder zu spüren bekommen. Dies lenkt natürlich sehr gut davon ab, dass die Briten ihre Führungsrolle und Verantwortung in der Drogenbekämpfung nicht gerecht werden. In Afghanistan wurde auch dieses Jahr wieder eine Rekordernte Opium eingefahren, dass schliesst den Süden des Landes mit ein.
    Natürlich sind die britischen Soldaten in Helmand einem ungleich höherem Risiko ausgesetzt als Italiener und Spanier im Westen oder die Deutschen im Norden, aber auch diese erfüllen ihren Auftrag nach besten Kräften und tragen so dazu bei, dass die irregulären Kräfte nicht noch weiter Fuß fassen können.
    Darüber hinaus drängt sich die Frage auf, warum die Briten ihr Engagement so "plötzlich" ausgeweitet haben. Lange war Deutschland der mit Abstand größte Truppensteller bei ISAF. Erst als die Briten während ISAF IX den COMISAF gestellt haben, wurde das britische Kontingent aufgestockt. Aber waren tatsächlich alle Truppen im Land oder teilweise auf Abruf in der Heimat?
    Es klafft eine große Lücke zwischen britischer Politik, die es nicht einmal schafft, ihre Soldaten für den Einsatz gut auszustatten (fehlerhafte Munition, veraltete Fahrzeuge und Bewaffnung...), und dem tapferen Einsatz britischer Soldaten, die oft unmenschliches leisten.
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