Bin-Laden-Botschaft knüpft an Diskurse der Friedensbewegung an
Al-Qaida hat eine Audiobotschaft Osama Bin Ladens veröffentlicht, die sich an europäische Bevölkerungen wendet und ein Ende des Einsatzes in Afghanistan fordert.Ein vollständiges Transkript der Botschaft findet sich hier.
Wie in anderen seiner Botschaften an westliche Zielgruppen verzichtet OBL auch hier auf religiöse Bezüge. Er verwendet eine säkulare Sprache (Begriffe wie "Dritte Welt") und knüpft an Teile des Diskurses westlicher "Friedensbewegungen" an:
- Europäische Staaten würden in Afghanistan als "Vasallen" der USA handeln
- Der Einsatz in Afghanistan sei "ungerecht" und verstoße gegen das Völkerrecht
- Die NATO töte in Afghanistan vorwiegend Zivilisten
Die Äusserungen OBLs sollen dazu beitragen, den Einsatz in Afghanistan zu delegitimieren. Die Propaganda der Al-Qaida kann in diesem Zusammenhang ihre Wirkung nur entfalten, weil sie von bestimmten politischen Akteuren in Europa gestützt oder sogar übernommen wird. Osama Bin Laden argumentiert nicht wesentlich anders als Teile der "Friedensbewegung", die deutsche Soldaten als Terroristen bezeichnen und die Forderung der Al-Qaida nach einem Rückzug der NATO aus Afghanistan teilen.
Die (von der Friedensbewegung vermutlich ungewollte) symbiotische Beziehung zwischen Friedensbewegung und islamistischen Terroristen wurde bereits 2004 in Spanien deutlich: Die für die Anschläge in Madrid verantwortliche Zelle wählte Spanien ausdrücklich deshalb als Ziel, weil die "Friedensbewegung" dort relativ stark war und man akkurat vermutete, dass ein Anschlag deren Forderung nach einem Ende des spanischen Engagements unterstützen würde. Die Friedensbewegung nutzte die Anschläge tatsächlich in ihren Darstellungen und argumentierte, dass diese bewiesen, dass das Engagement im Irak Unsicherheit für Spanien erzeuge.
Die Botschaft soll zudem das Handeln terroristischer Zellen legitimieren. Die Tatsache, dass die Botschaft auch als Video mit deutschen Untertiteln veröffentlicht wurde, deutet darauf hin, dass die Zielgruppe neben der deutschen Öffentlichkeit auch deutsche Muslime sein könnten. Da ansonsten nur eine englische Version und eine auf Paschtu veröffentlicht wurde, lässt sich Deutschland als möglicher Schwerpunkt militanter Islamisten vermuten.
Nachtrag:
Weitere Konvergenzen zwischen Friedensbewegung und militanten Islamisten liessen sich auch auf dieser Veranstaltung beobachten. Neben dem ehemaligen deutschen Diplomaten und jetzigen Friedensaktivisten Hans von Sponeck und Brigitte Ostmeyer von der SED-Nachfolgepartei "Die Linke" traten auch Funktionäre der Hizbollah auf. George Galloway, ein Führer der britischen Friedensbewegung, lobte auf der Veranstaltung den Hizbollah-Führer Hassan Nasrallah.
Trackbacks
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1 Dec 2007
Sicherheitspolitik wrote:
In einer neuen Videobotschaft des Al-Qaida-Führers gibt es fast nur altbekanntes zu hören. Rückzug der Koalitionskräfte aus Afghanistan, die dort eh nur Vasallen der USA sind.Die Talibahn haben nichts mit 9/11 zu tun, daher Afghani...
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