"Gewaltspiralen": Hamas sucht nach israelischer Offensive um Waffenstillstand nach
Die Friedensforschung und große Teile des sicherheitspolitischen Diskurses in Deutschland verwenden das Konzept der "Gewaltspiralen" zur Beschreibung der Konfliktdynamik im Nahen Osten und an anderen Orten. Gewalteinsatz sei nicht die Folge politischen Willens, sondern eine quasi automatische Folge vorausgegangener Gewalt. Die militärische Bekämpfung von Gegnen sei daher kontraproduktiv. Wie unzutreffend diese These ist, zeigt ein Blick in die jüngere Geschichte: Die Al-Aqsa-Intifada begann, nachdem die israelische Regierung im Südlibanon demonstriert hatte, dass sie auf Gewalteinsatz mit Konzessionen reagiert. Konzessionen wurden nicht als Geste guten Willens bewertet, sondern als Zeichen von Schwäche, dass Gewalteinsatz herausforderte. Auf den israelischen Rückzug aus dem Gazastreifen reagierte die Hamas daher nicht mit Deeskalation, sondern mit verstärktem Raketenbeschuss Israels.
Umgekehrt reagierte die Hamas auf entschlossenes israelisches Handeln in der Vergangenheit ihrerseits mit Konzessionen. Nach der Tötung von Hamas-Führern wie Scheich Yassin stellte die Hamas z.B. den Einsatz von Selbstmordattentätern ein, um den Verlust weiterer Führer zu verhindern. Auch auf eine aktuelle israelische Offensive im Gazastreifen reagierte die Hamas nicht mit Gegeneskalation, sondern mit einem Waffenstillstandangebot. Die Hamas handelt rational und reagiert auf glaubwürdig und überlegen eingesetzte Gewalt mit Zugeständnissen. Eine "Gewaltspirale" ist nicht erkennbar.
Der nahe Osten bietet der Friedensforschung somit genügend empirisches Material, um ihre Konzepte grundlegend zu überdenken.
(Bild: Propaganda der Hamas nach dem israelischen Rückzug aus dem Gazastreifen 2005)
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