Pakistan: Bevölkerungsmehrheit fordert Scharia, lehnt Bekämpfung von Islamisten ab


Eine aktuelle Umfrage in Pakistan bestätigt die Ergebnisse früherer Erhebungen im Wesentlichen. Demnach wollen 60% der Befragten, dass islamisches Recht (Scharia) eine größere Rolle in der Gesellschaft spielen soll. Ein großer Teil dieser Menschen äussert die Ansicht, dass islamisches Recht und Demokratie kompatibel seien. Man kann aber davon ausgehen, dass das Demokratieverständnis dieser Menschen wenig mit liberaler Demokratie westlichen Musters zu tun hat.

Rund ein Drittel der Befragten sympathisiert mit Osama Bin Laden; drei Viertel sind gegen eine Bekämpfung Al-Qaidas und der Taliban durch internationale Kräfte im Nordwesten des Landes und 70% glauben, dass die USA "den Islam schwächen" wollen. Nur 15% lehnen Anschläge der Taliban gegen ISAF und OEF in Afghanistan ab.

Die Verfasser der Studie brachten die politischen Implikationen der Umfrage auf den Punkt:

"It shows there is no major Western-oriented secular sub-group in Pakistan. People want more Islam. They don't think Pakistan is pious enough or that Islamic values are adequately expressed in daily life..."

Immerhin 59% der Bevölkerung halten die Vorstellungen der Taliban für zu extrem. Insgesamt jedoch ist die öffentliche Meinung in Pakistan bezüglich der Bekämpfung militanter Islamisten eher auf der Seite des Gegners als auf der westlicher Staaten. Man kann davon ausgehen, dass mehr Demokratie in Pakistan ähnlich wie in anderen Staaten mit muslimischer Bevölkerungsmehrheit in einer antiwestlicheren Regierung resultieren würde.

Die These, dass Förderung von Demokratie in Form freier Wahlen ein geeignetes Mittel zur Eindämmung islamischer Extremisten sei, hält einer empirischen Prüfung nicht stand, was Pakistan angeht.

 
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Comments

  • 7 Jan 2008 Brutus wrote:
    Auch deswegen ist für mich die Demontage Musharrafs durch die USA unverständlich. Als "Zivilist" hat er nun noch weniger Einfluß.
    Reply to this
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