Zweiter Libanonkrieg: Israelische Untersuchungskommission legt Bericht vor
Die israelische Untersuchungskommission zum Zweiten Libanonkrieg hat nach einiger Verzögerung ihren Abschlußbericht vorgelegt.Der Bericht erklärt ohne Beschönigungen, dass Israel in den Auseinandersetzungen gegen die Hizbollah effektiv die unterlegene Seite war:
"A semi-military organization of a few thousand men resisted, for a few weeks, the strongest army in the Middle East, which enjoyed full air superiority and size and technology advantages."Bekanntermaßen gewinnt die Guerilla, wenn sie nicht verliert, und ihre Gegner verlieren, wenn sie nicht gewinnen.
Die Schlußfolgerungen bezüglich eines möglichen Friedens im Nahen Osten sollten sich insbesondere europäische Diplomaten zu Gemüte führen:
"Israel [...] cannot live in it in peace or at least non-war, unless people in Israel itself and in its surroundings believe that Israel has the political and military leadership, military capabilities, and social robustness that will allow her to deter those of its neighbors who wish to harm her, and to prevent them - if necessary through the use of military force - from achieving their goal. [...] Israel must - politically and morally - seek peace with its neighbors and make necessary compromises. At the same time, seeking peace or managing the conflict must come from a position of social, political and military strength, and through the ability and willingness to fight for the state, its values and the security of its population even in the absence of peace.Nicht israelische Schwäche, sondern israelische Stärke ist die Voraussetzung für Frieden mit seinen Nachbarn. Der ("kalte") Frieden mit Ägypten und Jordanien unterstreicht dies. Beide Staaten entschlossen sich erst zu Friedensverträgen mit Israel, nachdem ihnen die militärische Überlegenheit Israels deutlich geworden war. Schwache politische Führer wie Ehud Olmert haben keine Chance, Frieden oder wenigstens die Abwesendheit von Krieg herbeizuführen.
Bei der Gelegenheit kann auf die bislang einzige deutschsprachige Studie zum Zweiten Libanonkrieg hingewiesen werden, die einige Ergebnisse der Winograd-Kommission vorwegnimmt.
(Bild: Israelische Infanterie im Südlibanon 2006, Quelle: ISR DOD)
Positiv ist, daß es in Israel eine wohl durchaus neutrale Untersuchung gegeben hat. Leider wurde die Aktion in den Medien äußerst schlecht "verkauft" (neben den Manipulationen von Seiten der Hizbollah):
- Bombardierung ziviler Ziele in Beirut (Wohngebiete) ohne offenkundige militärische Notwendigkeit
- mutwillige und nicht kriegs-notwendige Zerstörung libanesischer Infrastruktur und Wirtschaft
- umstrittener Beschuß von UN-Beobachtern
- sehr umstrittener Einsatz von Cluster-Bomben in den allerletzten Kriegstagen, welche überwiegend zivile Opfer fordern
Dagegen haben die Hizbollah gezeigt, daß sie auch gegen MERKAVA-KPZ mit Erfolg vorgehen können; der erfolgreiche Beschuß eines israelischen Kampfschiffes war auch moralisch ein Erfolg.
Fazit: Israel hat eindeutig Fehler gemacht, und es hat den Medienkrieg verloren.
Reply to this