Bekämpfung irregulärer Kräfte in Afghanistan: Vertrauen der Bevölkerung als zentraler Faktor


In der deutschen Diskussion wird verbreitet behauptet, dass die afghanische Bevölkerung aufgrund ziviler Kollateralschäden ISAF zunehmend ablehnend gegenüberstehe, und dass dies das Hauptproblem des Einsatzes sei.  Zivile Opfer sind jedoch allenfalls punktuell ein Problem. Das zentrale Problem für ISAF ist gegenwärtig das sinkende Vertrauen der afghanischen Bevölkerung in die Durchsetzungsfähigkeit von afghanischer Regierung und ISAF.

Eine deutliche Mehrheit der Afghanen unterstützt Regierung und ISAF und lehnt die Aufständischen ab. Die USA sind unter Afghanen ähnlich beliebt wie Deutschland, d.h. sie gehören zu den beliebtesten Staaten. Beliebtheit ist jedoch nicht der entscheidende Faktor. Vertrauen ist ein wichtigerer Faktor.

Viele Afghanen zweifeln zunehmend daran, dass die Koalition sich gegen die Aufständischen durchsetzen kann. Aus Furcht vor Repressalien der Aufständischen halten sich zahlreiche Afghanen bei der Unterstützung von Regierung und ISAF zurück.

Ihren Einfluss verdanken die Aufständischen im Wesentlichen nicht ihrer Beliebtheit, sondern ihrer konsequenten Einschüchterung der Bevölkerung und der Tatsache, dass sie verbreitet als die stärkere Konfliktpartei wahrgenommen werden.

"Winning hearts and minds" ist somit nicht nur eine Sache von Aufbau und Entwicklungshilfe. Um das Vertrauen der Bevölkerung zu gewinnen, ist es auch notwendig, die Aufständischen erfolgreich und nachhaltig zu bekämpfen und ein Bild eigener Stärke zu vermitteln.

Im Irak haben die USA erfahren, wie positiv sich ein glaubwürdiges und starkes Auftreten auswirkt. Generalmajor Rick Lynch, Divisionskommandeur im Irak, äusserte z.B. jüngst über die Ursachen der deutlichen amerikanischen Erfolge in den vergangenen Monaten: 

"U.S. troops have built 50 new bases south of Baghdad where they live full time instead of commuting from massive bases in western Baghdad as they had in the past, Lynch said. ‚Once you're there, the local citizens come forward and ask two questions: 'Are you gonna stay?' If the answer is yes, they say: 'How can we help?' That is how U.S. forces began recruiting local men to help provide security and rebuild towns..."

Die von der Bundesregierung offen kommunizierte Schwäche und der deutliche Mangel an „Willen zum Sieg“ wird das Vertrauen der Afghanen in die Internationale Gemeinschaft weiter untergraben. Das jüngste Verhalten der Bundesregierung hat in Afghanistan zu verstärkten Zweifeln am Durchsetzungswillen und an der Nachhaltigkeit des deutschen Engagements geführt. Die deutsche Strategie der Passivität und Schwäche trägt nicht zum Erfolg gegen die Aufständischen bei.

(Bild: Operationen britischer Streitkräfte und ANA in Südafghanistan/Quelle: UK DOD)

 
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