Frauenrechte in Afghanistan


In Deutschland herrscht weiterhin die Auffassung vor, dass die problematische Situation von Frauen in Afghanistan hauptsächlich Folge der Herrschaft der Taliban sei. Durch die Beseitigung der Taliban könne man die Situation der Frauen verbessern. Dieses Argument wurde z.T. auch verwendet, um den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan zu legitimieren.

Tatsächlich jedoch sind problematische Vorstellungen zur Rolle der Frau in Afghanistan weit über die Taliban hinaus verbreitet. Traditionelle Kultur und Islam verbinden sich hier zu einer für Frauen äußerst unangenehmen Mixtur.

Eine Frauenrechtsorganisation hat nun einem Bericht vorgelegt, demzufolge sich die Situation von Frauen in den letzten Jahren noch weiter verschlechtert hat. Man kann dem Bericht durchaus Glauben schenken.

Deutsche Soldaten mussten z.T. miterleben, dass männliche Verwandte bei Verkehrsunfällen verletzte Frauen eher sterben liessen, als diese von männlichen Ärzten behandeln zu lassen. Bei anderen Verkehrsunfällen, an denen ISAF beteiligt war, äusserten Einheimische, dass der Tod von Mädchen nicht wirklich schlimm sei. Ein Problem seien nur Verletzung oder Tod von Jungen. Eine junge afghanische Übersetzerin wurde eines Tages von einem Afghanen sexuell belästigt. Sie machte den Fehler, dies anzuzeigen. Sie wurde daraufhin von ihrer Familie mit Benzin übergossen und angezündet, da sie sie "Familienehre" beschädigt habe. Die Mutter der jungen Frau erlitt im Krankenhaus einen Nervenzusammenbruch, als sie ihre schwer verletzte Tochter sah; jedoch nicht aus Scham über ihre Tat, sondern weil die Frau von einem männlichen Arzt behandelt wurde. Solche Vorfälle sind Alltag in Afghanistan.

Im Westen für Empörung sorgende Vorfälle wie die Tötung von Konvertiten, die Todesstrafe für "Blasphemie" und die allgemein praktizierte Entrechtung von Frauen geniessen breite Unterstützung in der afghanischen Bevölkerung. Manche westlichen Aktivisten behaupten, es handele sich dabei um "Mißbrauch des Islams" durch eine extremistische Minderheit. Dies trifft jedoch nicht zu: Was in Deutschland für ein extremes Islamverständnis gehalten werden mag, entspricht weitgehend dem, was die Masse der afghanischen Islamgelehrten und die Bevölkerung denkt.

Der Einsatz in Afghanistan sollte nicht mit unrealistischen Zielen überlastet werden. Die Verbesserung der Situation von Frauen kann angesichts der weiten Akzeptanz bzw. Unterstützung der gegenwärtigen Situation durch die Bevölkerung nicht von Außen gewährleistet werden. Sollte man tatsächlich Anstrengungen in diese Richtung unternehmen, würde dies großen Widerstand hervorrufen, wie die afghanischen Kommunisten in den 70er Jahren erfahren mussten.

(Bild: Afghanisches Ehepaar. Nach islamischer Vorstellung sind Mädchen ab dem Alter von sechs Jahren heiratsfähig. 57% der verheirateten Frauen in Afghanistan waren 2007 jünger als 16. Bildquelle: IRIN)

 
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