Islamismus-Umfrage von Gallup: Grund zur Entwarnung?
Das ansonsten seriöse Institut Gallup hat eine Studie zum Rückhalt islamischer Extremisten unter Muslimen veröffentlicht und in der dazugehörigen Presseerklärung weitestgehend Entwarnung gegeben, was die Bedrohung durch Extremisten angehe. Diese Deutung ist jedoch in höchstem Maße fragwürdig.Einer der Autoren der Gallup-Studie ist der Islamwissenschaftler John Esposito. Dieser betreibt ein vorwiegend mit saudischen Mitteln finanziertes Institut und ist für seine apologetische Haltung gegenüber islamischen Extremisten bekannt. Er arbeitete in der Vergangenheit eng mit führenden islamistischen Aktivisten zusammen, darunter dem Briten Azzam al-Tamimi. In seinen Schriften unterstellte Esposito bis 2001 allen, die vor einer Bedrohung durch islamische Extremisten warnten, unlautere Motive. Es gebe gar keine islamischen Extremisten. Was der Westen als Extremisten einstufe, seien in Wahrheit harmlose Aktivisten, welche die Verwirklichung von Demokratie und Menschenrechten anstrebten. Der Nahostwissenschaftler Michael Kreutz hat Espositos problematische Verwicklungen mit der islamistischen Szene in seinem Blog ebenfalls aufgegriffen.
Es erstaunt angesichts Espositos ideologischer Voreingenommenheit nicht, dass er auch in der aktuellen Studie sehr darum bemüht ist, unangenehme Fakten zu beschönigen und ein völlig verzerrtes Bild der Lage widerzugeben.
So heisst es z.b., dass "nur" rund sieben Prozent der rund 1,3 Mrd. Muslime weltweit mit Al-Qaida sympathisieren würden. Die Zahl als solche ist nicht unplausibel, auch wenn sie eher den unteren Rand der des Sympathisantenpotentials angeben dürfte, da viele Befragte sich bei der Beantwortung der Frage zurückgehalten haben werden. Sieben Prozent wären jedoch immerhin noch rund 90 Mio. Menschen. Ein Grund zur Entwarnung, wie die Studie behauptet?
Die übrigen Befragten bezeichnet die Studie pauschal als "moderat", so als gäbe es keine islamischen Extremisten, die zwar die Methoden der Al-Qaida und anderer militanter Islamisten ablehnen, jedoch mit deren Zielen sympathisieren oder andere Flügel der islamistischen Bewegung unterstützen. Zahlreiche andere Umfragen legen nahe, dass dieses Potential in manchen Staaten bereits Mehrheiten der jeweiligen muslimischen Bevölkerungen umfasst.
Ebenfalls grob verzerrend ist die Deutung des Ergebnisses, demzufolge große Mehrheiten unter Muslimen "Demokratie" unterstützen würden. Der gewählte Demokratiebegriff wird nicht näher definiert. Tatsächlich wird Demokratie in Form von Mehrheitsentscheidungen auch von Teilen des islamistischen Spektrums unterstützt, etwa von der Hamas. Nicht unterstützt werden von deutlichen Mehrheiten zentrale Bestandteile von Demokratie wie Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit und andere individuelle Freiheitsrechte. Gallup hat auch hier offenbar bewusst manipuliert um den Eindruck zu erwecken, dass extremistische Positionen auf "winzige Minderheiten" begrenzt seien.
Glaubwürdigeres empirisches Material, dass zudem frei von politischer Einfärbung ist, findet man z.B. in den Umfragen des Pew Global Attitudes Project.
(Bild: Die Hamas unterstützt Al-Qaida nicht. Nach Deutung John Espositos und des Instituts Gallup wäre sie somit als "moderat" einzustufen)
Als Nachtrag: Beiträge aus dem Weblog, welche Umfragen zur Unterstützung von Islamisten durch Muslime thematisieren.
http://weblog-sicherheitspolitik.net/2008/01/07/pakistan-bevölkerungsmehrheit-fordert-scharia-lehnt-bekämpfung-von-islamisten-ab.aspx
http://weblog-sicherheitspolitik.net/2007/12/20/extremismus-40-der-muslime-in-deutschland-islamistisch-orientiert.aspx
http://weblog-sicherheitspolitik.net/2007/11/02/pakistan-deutliche-mehrheit-unterstützt-islamische-extremisten.aspx
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Hier ein Verweis auf den bericht des State Departments zur Lage 2007 (Country Reports on Terrorism 2007):
http://www.state.gov/s/ct/rls/crt/2007/">http://www.state.gov/s/ct/rls/crt/2007/
http://www.state.gov/s/ct/
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