Taliban: Die Reihen lichten sich
Die Aufständischen in Afghanistan haben in den letzten Tagen einige wichtige Anführer verloren:- Mullah Sorkh Naqaibullah: Er wurde von der afghanischen Polizei getötet. Er war ein Führer der Taliban auf Distriktebene und hatte u.a. dadurch Bekanntheit erlangt, dass er sich wiederholt aus afghanischer Haft freigekauft hatte.
- Mullah Abdul Matin: Britischen Spezialkräften gelang es, ihn in einem Hinterhalt zu töten. Er war einer der Führer der Taliban in Musa Qala.
- Mullah Abdul Bari: Er wurde von afghanischen Sicherheitskräften getötet und war einer der wichtigsten verbliebenen Anführer der Taliban in Helmand und Uruzgan.
Der Verlust von Anführern vermittelt der afghanischen Bevölkerung, dass die Aufständischen verwundbar sind und schwächt die Annahme, dass diese sich durchsetzen werden. Der Tod von gegnerischen Anführern stärkt somit potentiell das Vertrauen der Bevölkerung in die Regierung. Zudem wird die Fähigkeit der Aufständischen zur Durchführung komplexer Operationen reduziert.
Die Wirkung liegt weniger in der physischen Abnutzung des Gegners, die bislang trotz der Tötung zahlreicher Anführer und Kämpfer allenfalls eingeschränkt zu beobachten ist.
Der Kampf gegen die Aufständischen lässt sich nicht durch gezielte Tötungen gewinnen, ist aber ein wichtiges Mittel zur Erreichung dieses Ziels. Wesentlich wichtiger noch wäre allerdings eine stärkere Präsenz von Sicherheitskräften in der Fläche des Landes.
Die Aufständischen versuchen im Rahmen ihrer Informationsoperationen, die Wahrnehmung von Schwäche durch bombastische Ankündigungen zu relativieren: Sie drohten z.B. damit, dass sie mit bis zu 8.000 Kämpfern Kabul von dessen Umland isolieren würden und bis zu 1.000 Selbstmordattentäter in der Stadt einsetzen könnten. Auch wenn die Aufständischen möglicherweise mit dem einsetzenden Frühling ihre Aktivitäten ausweiten werden, so sind diese Zahlen absurd. Die Aufständischen greifen aufgrund mangelnder Fähigkeiten vorwiegend "weiche" Ziele an (d.h. afghanische Zivilisten), und ihr spektakulärster Erfolg der letzten Monate war ein taktisch gescheiterter Anschlag auf das Serena-Hotel in Kabul. Auch wenn sich viele internationale Organisationen in Kabul von dem Vorfall haben einschüchtern lassen, darf man nicht vergessen, dass die Täter taktisch dilettantisch handelten und es nicht über den Eingangsbereich des Hotels hinaus schafften. Auf die Fähigkeit zu einer großangelegten Offensive deutet das nicht hin. Die Aufständischen verlieren mit zunehmendem Vorgehen gegen weiche Ziele zudem laufend an Unterstützung in der Bevölkerung. Wichtigstes Motiv zur Unterstützung des Gegners ist mittlerweile dessen Bezahlung und nicht dessen Weltanschauung.
Die Aufständischen könnten jedoch dadurch erstarken, dass die Wahlsieger der pakistanischen Parlamentswahlen angekündigt haben, noch weniger gegen pakistanische Taliban vorgehen zu wollen als die Regierung Musharraf es bislang tat. Die USA haben dies mit einem eindeutigen politischen Signal beantwortet.
(Bild: Kämpfer der Taliban, Quelle: IWPR)
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