Karikaturenstreit greift auf Afghanistan über

Es war nur eine Frage der Zeit, bis die internationale islamistische Kampagne gegen Dänemark auch auf Afghanistan übergreift.

Nun ist es soweit: Am 28.  Februar rief der vermeintlich moderate Religionsminister Shahrani im populären Fernsehsender Tolo TV die Bevölkerung auf, "Maßnahmen" wegen der Karikaturen zu ergreifen. Die Taliban kündigten verstärkte Anschläge gegen niederländische ISAF-Soldaten an.

Heute morgen versammelten sich mehrere hundert Geistliche und Schüler von Koranschulen in Mazar-e-Sharif im Norden des Landes, verbrannten Flaggen und forderten den Abbruch der Beziehungen zwischen Afghanistan, den Niederlanden und Dänemark sowie den sofortigen Abzug dänischer und niederländischer ISAF-Soldaten. Dies dürfte erst der Anfang sein.

Die Situation wird sich sehr wahrscheinlich noch verschärfen, wenn das angekündigte islamkritische Video des Geert Wilders veröffentlicht wird. Islamistische Kräfte sehen in den Karikaturen und dem Video eine Chance, antiwestliche Ressentiments in der Bevölkerung zu mobilisieren und für ihre politischen Zwecke zu kanalisieren. Bereits 2006 starben bei Unruhen im Zuge des ersten Karikaturenstreits alleine in Afghanistan mindestens ein Dutzend Menschen. Diesmal könnte die Kampagne stärker ausfallen, mit dementsprechend gravierenderen Folgen.

In Afghanistan ist der "Clash of Civilizations" Realität. Karikaturen in dänischen Zeitungen haben mittlerweile globale strategische Auswirkungen. Die Reaktion auf den vermeintlichen "Angriff auf den Islam" durch die Zeichungen war bereits 2006 weitaus stärker als die auf Massaker der Aufständischen an Zivilisten, durch die NATO verursache Kollateralschäden oder die meisten anderen innenpolitischen Themen.

Die Mobilisierung von globaler Empörung von Muslimen ist einer der stärksten Waffen islamistischer Kräfte und übersteigt den strategischen und taktischen Wert von Terroranschlägen bei weitem.

 
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Comments

  • 2 Mar 2008 Tyrion wrote:
    Wenn die Afghanen uns so für den Kampf gegen die Taliban danken wollen, bitteschön.
    Solche Vorfälle werden in westlichen Staaten bestimmt nicht die Bereitschaft, mehr (bzw. eine ausreichende Zahl) Soldaten an den Hindukusch zu schicken, erhöhen.

    Ich hoffe jedenfalls, dass deutsche Politiker jetzt endlich Rückrat zeigen und nicht so wie 2006 Appeasement betreiben.

    Den Spruch vom Friedensapostel Grass werde ich jedenfalls nie vergessen: "[die Unruhen] sind eine fundamentalistische Antwort auf eine fundamentalistische Tat."
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  • 2 Mar 2008 Brutus wrote:
    Ich sehe das eher gelassen: wenn die Moslems brauchen ihre "Dosis"; wenn sie sich nicht aufregen können, geht es ihnen nicht gut. Wie bei kleinen Kindern muß man sie einfach brüllen lassen. Viel gefährlicher ist das quasi automatische Einknicken des Westens.
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    1. 2 Mar 2008 Minverva wrote:
      Vielleicht haben Sie gar nicht so Unrecht. Weltweit geben muslimische Teilnehmer an antiwestlichen Demonstrationen an, ihr Motiv sei ein allgemeines Gefühl, dass der Westen den Islam demütige. Offenbar verbindet zumindest einen Teil der Muslime weltweit diese Emotion, von französischen Banlieues über Bradford und Kopenhagen über Kairo und Karachi bis hin nach Mazar-e-Sharif. Hat dieses allgemeine Gefühl der Demütigung etwas mit islamischer Weltanschauung zu tun, oder ist es eine nicht ideologisch bedingte Folge kultureller Einstellungen? Das wäre mal eine interessante Frage für unsere Orientalisten.

      Und was kann man dagegen tun? Wenn hunderte Mio. Menschen selbst eine Karikatur in einer dänischen Zeitung als unzumutbaren Angriff auf ihre Religion bzw. als Kriegserklärung empfinden, dann gibt es nicht, was der Westen tun könnte, um diesen Menschen entgegenzukommen.
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      1. 2 Mar 2008 Brutus wrote:
        Interessant ist, daß die allermeisten "Demonstranten" die Karikaturen gar nicht selbst gesehen haben. Moslems sind eben leicht erregbar, aber dies nicht nur in den Herkunftsländern, sondern auch bei uns - auch in dritter oder vierter Generation (s. Tagespresse).
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  • 2 Mar 2008 Oli wrote:
    Tja, Dänemark und die Niederlande lässt man wohl alleine. Von Solidarität anderer Staaten keine Spur, von Deutschland ganz zu schweigen. Das alles ist so unendlich traurig, alle knicken ein - besonders Deutschland. Mit der Einstellung können wir gegen diese radikalen Freaks einpacken. Aber warum sollten diese ganzen Spinner auch aufhören? Schon jetzt unterwerfen wir uns und lassen uns von Tag zu Tag mehr einschüchtern. Das Problem sind in erster Linie nicht die, sondern wir, mit unserer unerträglichen Appeasement-Politik.
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