Die Welt aus der Sicht der Friedensbewegung
Andreas Buro gehörte der ersten Generation der Führung der deutschen Friedensbewegung an. Im Interview mit dem "Tagesspiegel" zieht er eine Bilanz des Zustands der Bewegung und macht noch einmal deutlich, wo für ihn der Feind steht. Es seien die USA und Israel, welche den Weltfrieden bedrohten. Angesichts solcher Positionen ist es nicht erstaunlich, dass auch Osama Bin Laden die Friedensbewegung als potentiellen Partner entdeckt hat. Lenin hätte von "nützlichen Idioten" gesprochen.Deutsche Soldaten werden von Akteuren der Friedensbewegung regelmäßig zu Mördern und Terroristen erklärt (alternativ auch zu "Todesschwadronen"), während islamistische Terroristen als legitime Widerstandskämpfer gelten, deren Anschläge man zu ungeschickt formulierten Dialogangeboten umdeutet. Die Bekämpfung von Terroristen wird als Mord verurteilt, und es gibt keinen Terroristen, für den man nicht irgendwie Verständnis hat. Man kann sich nicht vorstellen, dass der Gegner es böse meint, und erklärt dessen Handeln einfach zu "Unfällen", alternativ auch zur Folge von "Gewaltspiralen", die sich quasi von alleine und ohne zutun des Gegners "drehen". Daher haben Teile der Friedensbewegung auch keine Probleme, sich aktiv mit Terroristen zu solidarisieren, denn diese sind ja per Definition unschuldig.
Der "Frieden" der Friedensbewegung ist in der Regel identisch mit der Erfüllung der Forderungen des Gegners. "Kapitulationsbewegung" wäre vielleicht der passendere Name. Die Friedensbewegung hat auch einen akademischen Flügel namens "Friedensforschung" ausgebildet. Als "Forschung" bezeichnet man hier die weitgehend unreflektierte Widergabe von Ideologemen der späten 60er und 70er Jahre.
Die Welt nimmt man in spätmarxistischen Denkschablonen wahr, in denen militante Islamisten die unterdrückten Dritte Welt repräsentieren und deren Bekämpfung daher nur als Imperialismus bewertet werden kann. Von Geschichte hat man keine Ahnung und erklärt beharrlich, dass militärische Gewalt keinen Frieden schaffen könne. Vom 8. Mai 1945 und 40 Jahren erfolgreicher militärischer Abschreckung des Kommunismus hat man anscheinend noch nichts gehört.
Man folgt Leitbildern, welche in den 40er Jahren den europäischen Juden den kollektiven Selbstmord empfahlen und ansonsten gegen die Bekämpfung der Achsenmächte eintraten, und hält diese Position für moralisch irgendwie höherwertig. Schließlich ist Gewalt ja keine Lösung. Koste es, was es wolle.
Ansonsten lebt man aber gerne in westlichen Gesellschaften und genießt die Freiheit und den Wohlstand, die man selbst nicht zu verteidigen bereit ist. Ganz tief im Innern scheint man zu wissen, dass die neoliberalen Kriegstreiberstaaten des Westens für die Klientel der Friedensbewegung dann doch ein besserer Ort zum Leben sind als etwa der Nordwesten Pakistans, der Gazastreifen oder der Iran.
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