Afghanistan: Schaffung von Respekt und Vertrauen statt "Winning Hearts and Minds"

Im Weblog Sicherheitspolitik wurde wiederholt argumentiert, dass "Winning Hearts and Minds" in Afghanistan nicht die primäre Herausforderung ist. Wichtiger seien die Schaffung von Vertrauen und  Respekt.

Die große Mehrheit der Afghanen wird auch langfristig nicht zu begeisterten Unterstützern liberal-demokratischer Ordnungen westlichen Musters werden.  Eine Mehrheit der Afghanen erkennt jedoch an, dass nur die von ISAF unterstützte Regierung mittel- bis langfristig Wohlstand und Sicherheit verbessern kann. Trotz erkannten Eigeninteresses zur Unterstützung von Regierung und ISAF schreckt man häufig aus Furcht vor Repressalien der Aufständischen vor einer Zusammenarbeit zurück.

In diesem Umfeld kommt es darauf am, das Vertrauen und den Respekt der Einheimischen zu gewinnen. Hierzu ist neben der glaubwürdigen Vermittlung, dass eine Zusammenarbeit materielle Vorteile nach sich zieht, vor allem die Erzeugung der Wahrnehmung von Stärke notwendig.

Dies zeigt sich z.B. in der Ortschaft Musa Qala, die vor einigen Monaten befreit worden war.

Ein britischer Offizier berichtet, warum Einheimische sich z.T. mit der Unterstützung für ISAF und Regierung zurückhalten:

"They don't exactly make you feel welcome, and you get the distinct impression that they are just waiting to see which way the wind blows - are we going to tough it out and stay here, or are the Taliban going to return? They don't see any point in committing themselves until they see who is going to be in control."

Der Verzicht auf den Einsatz der notwendigen Kräfte, der Verzicht auf die offensive Bekämpfung des Gegners und voreilige Diskussion über "Exit-Strategien" stärken in der afghanischen Bevölkerung die Wahrnehmung, dass ISAF sich nicht durchsetzen wird. Anders als in Deutschland verbreitet angenommen führt die Kommunikation von Schwäche nicht dazu, dass ISAF beliebter wird, sondern dazu, dass ISAF für schwach gehalten wird. Im kulturellen Umfeld Afghanistans ist dies kontraproduktiv.

(Bild: Britische Fallschirmjäger bei Musa Qala, Quelle: UK DOD)

 
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