Afghanistan-Meldungen 29. April
1. Das britische Außenministerium nennt in einem internen Dokument als zentrale Schwächen des Afghanistan-Einsatzes: Mangel an Infanterie, Mangel an Hubschraubern und Flugzeugen, Mangel an Ausbildern für die ANA. Die zusätzlich nach Helmand entsandte amerikanische Marineinfanterie hat unterdessen damit begonnen, gegen Aufständische vorzugehen.2. Die Umrüstung der ANA auf das amerikanische Sturmgewehr M-16 dient offenbar auch dem Zweck, die Soldaten zu disziplinierterem Verhalten im Feuerkampf anzuhalten. Mit den bisher verwendeten AK-47-Varianten ist Dauerfeuer möglich, was aus kulturellen Gründen von vielen Afghanen trotz seiner taktischen Nachteile bevorzugt wird. (Dank an Tyrion)
3. In Kabul hat es nach dem Anschlag auf die Militärparade bis zu hundert Festnahmen gegeben, zudem wurde die Zelle der Attentäter beim Anschlag vernichtet. Die Aufständischen verfügen in der Stadt nur über sehr begrenzte Fähigkeiten, und der psychologische Erfolg des Anschlags zieht für sie einige Kosten nach sich. Präsident Karzai dürften seine vor ein paar Tagen geäußerten Worte, in denen er die Festnahme von Aufständischen durch ISAF und OEF verurteilte, mittlerweile peinlich sein.
4. Ein Selbstmordanschlag im Osten, der vermutlich gegen amerikanische Kräfte gerichtet war, hat erneut ausschließlich Afghanen getötet. Während weite Teile des Spektrums islamischer Autoritäten nicht nur in Afghanistan Selbstmordanschläge gegen westliche Soldaten legitimieren oder zumindest dulden, werden Anschläge, die hauptsächlich Muslime treffen, nur von den extremsten Islamgelehrten gerechtfertigt. Die gegenwärtigen Taktiken der Aufständischen reduzieren deren islamische Legitimität und auch deren Unterstützung in der Bevölkerung.
5. Die Aufständischen leugneten in einem aktuellen Fall ihre Verantwortung für von ihnen begangene Anschläge auf Infrastruktur. Offenbar ist ihnen bewusst, dass ihre Taktiken die Bevölkerung zunehmend entfremden. Bereits in der Vergangenheit war über Spannungen zwischen afghanischen Aufständischen und deren Führung in Pakistan berichtet worden. Die einheimischen Kräfte hätten gezögert, Infrastruktur des Landes anzugreifen und somit den Zorn der Bevölkerung auf sich zu ziehen.
(Bild: Amerikanische Infanterie während der "Operation Anaconda", Quelle: US DOD)
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