Afghanistan-Meldungen 30. April

NATO-Offensive in Helmand: Die amerikanischen Marines in Helmand greifen Stellungen der Aufständischen im Raum Garmsir an, wo sie offenbar mit mehreren hundert Kämpfern präsent sind. Wo die Aufständischen in der Vergangenheit versucht haben, Räume zu verteidigen, endete dies stets mit verlustreichen Niederlagen für sie. Zudem haben die Marines damit begonnen, Nachschubwege der Aufständischen zu unterbrechen. Teile der Marines waren zuvor in besonders problematischen Teilen des Irak (Anbar) eingesetzt, erzielten dort große Erfolge gegen Al-Qaida und sind zuversichtlich, den taktisch weniger kompetenten Aufständischen in Afghanistan ähnliche Niederlagen zufügen zu können. Offenbar gibt es also doch noch eine "Frühjahrsoffensive", allerdings anders, als die Aufständischen es sich vorgestellt haben. Allerdings werden taktische Erfolge wenig an grundsätzlichen strategischen Problemen wie dem zu geringen Kräfteansatz im Süden ändern.

Verlängerung und Ausweitung des Bundestags-Mandats: In CDU und SPD wird Unterstützung für eine vorgezogene Verlängerung und Aufstockung des Bundeswehr-Mandats um rund 1.000 Soldaten geäußert. Eine Erhöhung der Mandatsgrenze ist angesichts zusätzlicher Aufgaben für die Bw sinnvoll. Bereits jetzt kommt es im Einsatz zu Problemen, weil die Grenze von 3.500 Soldaten nicht überschritten werden darf. Das BMVG dementierte Meldungen, dass Minister Jung in dieser Frage bereits eine sachgerechte Entscheidung getroffen habe.

Anschlag auf Militärparade in Kabul: Für den Anschlag auf die Militärparade in Kabul war möglicherweise das Haqqani-Netzwerk verantwortlich, dass schwerpunktmäßig im Osten des Landes operiert. Hezb-e-Islami Gulbuddin habe den Anschlag unterstützt. Amerikanische Kräfte waren vor dem Anschlag gegen Ziele im Osten (Provinz Kapisa) vorgegangen, die mit entsprechenden Anschlagswarnungen in Verbindung gestanden hätten. Beim "Long War Journal" findet sich ein ausführlicher Bericht über die Bedeutung Kapisas als Basis der Aufständischen, u.a. für Operationen in Kabul. Auch afghanische Sicherheitskräfte waren vorgewarnt und hätten zwei Gruppen von Attentätern im Vorfeld des Anschlags zerschlagen. In Kabul gab es diese Nacht einen längeren Feuerkampf zwischen Sicherheitskräften und unbekannten Gegnern.

Pakistan: Die Zahl der amerikanischen Einsätze in Pakistan habe sich gegenüber dem Vorjahr verdoppelt, während die Aktivitäten pakistanischer Sicherheitskräfte deutlich zurückgegangen seien. Sollte die neue Regierung versuchen, die amerikanischen Einsätze einzuschränken und wie erwartet ihr eigenes Engagement im Nordwesten weiter reduzieren, würde die Region für militante Islamisten eine noch sicherere Basis werden. EUPOL äussert im Terrorismus-Bericht 2008, dass Nordwest-Pakistan das organisatorische Zentrum der Al-Qaida darstelle. Die paschtunischen Gebiete Pakistans und Afghanistans seien für die Terrorismusbekämpfung von höchster Bedeutung.

(Bild: Amerikanische Kräfte gehen gegen Aufständische vor, Quelle: US DOD)

 
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