Afghanistan/Pakistan: Die Rolle des "Haqqani-Netzwerks"
Das "Haqqani-Netzwerk" (HQN) ist neben den Taliban und anderen Akteuren ein Bestandteil der Aufstandsbewegung in Afghanistan. Basis des Netzwerks ist Miram Shah in Nordwaziristan in Pakistan. Die führenden Figuren des Netzwerks sind Jalaluddin Haqqani, der während der Herrschaft der Taliban in Afghanistan ein Ministeramt innehatte, sowie sein Sohn Sirajuddin Haqqani. HQN wird u.a. für den Anschlag auf das Serena-Hotel und eine Militärparade in Kabul verantwortlicht gemacht. Amerikanische Kräfte waren mehrfach gegen Ziele des Netzwerks in Pakistan vorgegangen.Die "New York Times" hat ein aktuelles Porträt des Netzwerks veröffentlicht und stellt dabei heraus, dass es auch mit militanten Islamisten aus Deutschland zusammenarbeitet. Im Kontext der "Islamischen Jihad-Union" handelnde Kämpfer aus Deutschland seien im vom HQN kontrollierten Raum ausgebildet worden. Jalaluddin Haqqani hatte sich auf einem Video zu Wort gemeldet, dass zusammen mit dem Anschlags- und Bekennervideo des aus Bayern stammenden Selbstmordattentäters Cüneyt Ciftci, der in Afghanistan einen Anschlag verübt hatte, vor ca. drei Monaten veröffentlicht worden war.
Die direkte Zusammenarbeit zwischen militanten Islamisten in Pakistan und Afghanistan mit militanten Islamisten in Deutschland unterstreicht das deutsche Interesse an der Bekämpfung dieser Akteure vor Ort. Der Nordwesten Pakistans, insbesondere der Einflußbereich Haqqanis und Baitullah Mehsuds (der vermutlich ebenfalls Verbindung zu militanten Kräften in Europa hat und diese unterstützt), hat als Rückzugsraum für militante Islamisten zunehmend die Bedeutung, die Afghanistan vor dem Sturz der Taliban in Afghanistan hatte. Je stärker diese Kräfte in Pakistan und Afghanistan sind, desto größer das Risiko von Anschlägen in Deutschland und Europa.
(Bild: Jalaluddin Haqqani auf einem im März veröffentlichen Video)
"Je stärker diese Kräfte in Pakistan und Afghanistan sind, desto größer das Risiko von Anschlägen in Deutschland und Europa."
Wie kommen Sie zu dieser Schlußfolgerung? Für mich liegt das Risiko in den Maghreb-Staaten; nicht auszuschließen ist, daß Terroristen mit Material unerkannt in Südfrankreich anlanden und sich dann dort festsetzen bzw. sich nordwärts Richtung Belgien / Deutschland vorarbeiten. Übrigens wäre auch die Ausbildung von Europäern dort erheblich einfacher zu bewerkstellen, da man in diese Länder relativ problemlos reisen kann.
Reply to this
Für Europa gibt es z.Zt. zwei Hauptquellen der Bedrohung: Das von Ihnen angesprochene Nordafrika und Pakistan.
Nordafrikanische Netzwerke sind vor allem für Staaten wie Spanien, Frankreich, Italien, Belgien und die Niederlande ein Problem. Für Deutschland oder auch Großbritannien ist jedoch Pakistan definitiv das Problem Nr. 1. Fast alle Anschlagsplanungen der letzten Jahre hatten Verbindung dorthin.
Reply to this