Pakistan: Regierung verliert weiter an Kontrolle im Nordwesten

Die Strategie der pakistanischen Regierung, militante Islamisten durch Verhandlungen und Waffenstillstände von Operationen innerhalb Pakistans abzuhalten, ist offenbar erneut gescheitert. Unter diesen Bedingungen muß die pakistanische Regierung zumindestens punktuell zu militärischem Vorgehen zurückkehren und revidiert ihre Strategie.

Nach Beginn der Waffenstillstandsverhandlungen begannen militante Kräfte, ihre Präsenz im Raum Peschawar (eine der größten Städte des Landes mit rund 3 Mio. Einwohnern) auszuweiten. Die Kämpfer begannen damit, Einrichtungen der Regierung zu schließen und Menschen für Lösegeld aus Peschawar zu entführen. Pakistanische Streitkräfte begannen eine Operation gegen diese Kräfte (insb. "Ansar-ul-Islam" und "Lashkar-e-Islam" sowie Kräfte unter Führung von Haji Namdar), während Teile der Bevölkerung sich offenbar zur Flucht vorbereiten. Vertreter der Polizei äußerten, dass Peschawar unter den gegenwärtigen Bedingungen nicht länger als einige Monate zu halten sei.

Auch im Bezirk Swat weiteten militante Islamisten ihre Operationen zuletzt aus, wo pakistanische Sicherheitskräfte offenbar nicht mehr handlungsfähig sind und islamistische Kräfte angesichts der Schwäche der Regierung anscheinend keinen Grund mehr für die Einhaltung des Waffenstillstands sehen.

In Südwaziristan verübten Islamisten ein Massaker an 22 Angehörigen eines regierungsfreundlichen Stammes.

Trotz der offensichtlichen Bedrohung Pakistans durch militante Islamisten lehnt eine deutliche Bevölkerungsmehrheit deren Bekämpfung weiterhin ab. Die Regierung würde ihre politische Glaubwürdigkeit weiter gefährden, wenn sie in größerem Umfang gegen militante Islamisten vorgeht. Pakistanische Sicherheitskräfte waren v.a. letztes Jahr zudem nicht sehr erfolgreich beim Vorgehen gegen diese Kräfte. In der Vergangenheit wurden ähnliche Operationen daher nach kurzer Zeit wieder abgebrochen, und man versuchte statt dessen, Waffenstillstände auszuhandeln.

Für ISAF sind die Entwicklungen in Pakistan in hohem Maße relevant. Parallel zum Erstarken militanter Islamisten im Nordwesten Pakistans stieg z.B. die Zahl der Sicherheitsvorfälle im Osten Afghanistans gegenüber dem Vorjahr 2008 bislang um 40%, und ein Großteil des Nachschubs für ISAF wird über die Regionen Pakistans nach Afghanistan eingeführt, in denen militante Islamisten nun ihren Einfluß ausweiten.

(Bild: Karte der "Federally Administered Tribal Areas", Quelle: PBS)

 
Trackbacks
  • No trackbacks exist for this entry.
Comments

  • 5 Jul 2008 Brutus wrote:
    Meine Befürchtung: der Westen wird Afghanistan (leidlich) gewinnen aber Pakistan verlieren. Und dann kommt es in AFG zu einem "roll back".

    Der Westen blickt auf den Iran wie das Kanninchen auf die Schlange, dabei ist die Entwicklung der Lage in PAK viel besorgniserregender.
    Reply to this
Leave a comment

Submitted comments will be subject to moderation before being displayed.

 Enter the above security code (required)

 Name

 Email (will not be published)

 Website

Your comment is 0 characters limited to 3000 characters.