Afghanistan: Strategie statt Exit-Strategie
Parteiübergreifend diskutiert man in Deutschland über "Exit-Strategien" für den deutschen Afghanistan-Einsatz.Sinnvoller wäre es in unseren Augen, statt dessen über eine Strategie zu sprechen. Die Diskussion um Exit-Strategien stellt bereits sprachlich den Willen in den Vordergrund, den Einsatz vorzeitig abzubrechen, ohne dessen Ziele erreicht zu haben. Dies trägt dazu bei, dass Vertrauen der afghanischen Bevölkerung in Deutschland und die NATO weiter zu untergraben und stärkt den Gegner, dessen Hoffnung auf einen Sieg genährt wird.
Die Diskussion über Exit-Strategien halten wir daher sowohl für politisch als auch für strategisch falsch.
Eine sachliche Strategiediskussion sollte nicht ein schnelles Ende des Einsatzes, sondern die Suche nach dem optimalen Weg zur Sicherung deutscher Interessen in Afghanistan zum Ziel haben. Diese Interessen sind relativ unstrittig: In Afghanistan soll eine stabile und fähige prowestliche Regierung regieren, die friedlich an den internationalen Beziehungen teilnimmt, Terroristen Rückzugsräume verweigert und Drogenanbau unterbindet.
Eine Strategiediskussion müsste nun die folgenden Fragen beantworten:
- Welche Maßnahmen müssen durch Deutschland und seine Verbündeten ergriffen werden, um dieses Ziel zu erreichen?
- Welche Ressourcen müssen dafür eingesetzt werden?
- Wenn die erforderlichen Maßnahmen nicht durchsetzbar sind und die notwendigen Ressourcen nicht aufgebracht werden können: Gibt es Alternativen?
- Wie kann die Unterstützung der deutschen Bevölkerung für die notwendigen Maßnahmen und entstehenden Kosten (u.a. tote und verwundete deutsche Soldaten) gewonnen werden?
(Bild: Tornado und Dingo in Mazar-e-Sharif, Quelle: Bundeswehr)
"In Afghanistan soll eine stabile und fähige prowestliche Regierung regieren, ..."
Ich würde noch einfügen: dauerhaft. Und genau dies ist das Problem bzw. die Herausforderung.
Und den Drogenanbau könnte man schon jetzt unterbinden.
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Selbst wenn es gelingen würde, eine dauerhafte und prowestliche Regierung zu installieren, muss man sich von der Vorstellung der Demokratisierung nach westlichen Vorbild, wie es nach 1945 gelungen ist, verabschieden.
Zudem wird die Zustimmung der Bevölkerung vord er Folie der anstehenden Wahlen durch zwei parameter bestimmt. Zahl möglicher Opfer deutscher Soldaten und Zusammensetzung der Bundesregierung nach der Bunestagswahl. Da rationale Wahlstimmenmaximierung die Politik bestimmt, werden wichtige Fragen wie die Strategiediskussion aus dem politischen Tagesgeschäft herausgehalten. Langfristig wird man damit aber die Notwendigkeit des Afghanistaneinsatzes immer schwerer begründen können.
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@FGS-SiPol: Wie, wenn nicht vom Ende her, soll denn geplant werden? Und es besteht doch wohl kein Zweifel daran, dass das Ende der Exit aller ausländischen Truppen sein sollte. Es geht doch nur darum, klare und politisch haltbare Ziele zu definieren, mit denen die Sache als erledigt gelten kann. Und in dem Zusammenhang für mich nach wie vor offene Frage: Warum gehen Nato / USA nicht konsequent gegen den Opiumanbau vor. Schließlich liefert die Opiumwirtschaft nach allem was mir bekannt wurde eine extrem wichtige, wenn nicht sogar die entscheidende finanzielle Basis für den Gegner. Und die USA nehmen ihren Global War On Drugs mindestens genauso ernst wie ihren GWOT. Warum tut sich also da nichts Wesentliches in AFG? Die Sache könnte längst vom Tisch sein und hätte uns diese unerfreuliche Nachricht http://news.bbc.co.uk/2/hi/south_asia/7483162.stm
vielleicht erspart. Welche mehr oder weniger genialen strategischen Schachzüge haben also dazu geführt, dass die ISAF die wirtschaftliche Basis ihrer eigenen Bedrohung bewacht? Ich verstehe es wirklich nicht und bitte um sachdienliche Hinweise. Und was was würde daraus folgen, wenn keine vernünftige Begründung zu finden ist?
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Es macht schon einen Unterschied, ob man ein rasches Ende oder einen Erfolg zur Priorität erklärt. Fast alle, die von "Exit-Strategien" sprechen, machen einen Erfolg nicht zur Priorität.
Was den Schlafmohnanbau angeht: Erfahrungsgemäß kann Drogenanbau nur in Staaten mit einem Mindestmaß an politischer Stabilität erfolgreich bekämpft werden. Ein Erfolgsbeispiel ist Thailand. Würde man zum gegenwärtigen Zeitpunkt gegen den Drogenanbau vorgehen, würde man zahlreiche neue Gegner schaffen und sonst wenig bewirken.
Die Stärke des Gegners sind nicht die Einnahmen aus Drogenexport, sondern die Schwäche von afghanischer Regierung und NATO und die daraus resultierenden sichereren Rückzugsräume und Bewegungsfreiheit. Der Drogenanbau ist insgesamt kein geeigneter Ansatzpunkt zur Bekämpfung der Aufständischem was mittlerweile auch die USA eingesehen haben.
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Das Argument gegen eine Mohnvernichtung finde ich nun nicht so überzeugend. Es ist doch wohl so, dass die Opiumwirtschaft eben auch für die Korruption und die Schwäche der Karzai-Regierung sorgt. Mit Mohn/Opium haben wir also viele gut ausgestattete Gegner, ohne Mohn/Opium hätten wir genau so viele Gegener, die nur schlechter versorgt und bewaffnet wären.
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In Afganistan ist für deutsche/westliche Interessen
nichts mehr zu gewinnen. Und je länger die deutsche
Präsenz in Afganistan in der bisherigen Art und Weise
anhält, umsomehr verliert Deutschland.
Die einzige Alternative zu einem Abzug wäre eine
sehr starke Aufstockung der militärischen Kräfte,
die dann den Aufbau von so etwas wie einen laizistischem
Rechstaat einleiten könnte. Dazu aber zum größeren
Angagement wie zur Entscheidung einer Klärung der Machtfrage in
Richtung Fortschritt besteht im Westen kein politischer
Wille.
Zum Thema Afganistan brachte der DLF am 11.06.im
Hintergrund Politik einen interessanten Beitrag.
Er beinhaltet u. A. sehr bedrückende Tatsachen
weitestgehend im Bereich des Deutschen Mandates
wie:
- die zunehmende Islamisierung Afganistans
- Verurteilung von Politischen Gegnern
wie Frauen, Journalisten, Gegner von Warlords auf
der Basis von durch die Herrschenden bei Islamischen
Geistlichen in Auftrag gegebene Fatwas
- Das bestende Todesurteil gegen einen Studenten wegen
der Veröffentlichung zum Thema der Unterdrückung von
Frauen im Islam, speziell zu der bekannten unsäglichen
Rolle Mohameds in diesem Zusammenhang
- der Kooperation von Karsai mit dem fanatischen und
Islamisten und Terroristen Hekmatiar
- das mafiöse, machtgierige und gesetzlose Rolle eines
typischen Warlords unter Deutschem Mandat
Hier die Quelle:
http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2008/06/11/dlf_20080611_1840_5b02e642.mp3
Sieht man die desaströse Entwicklung in Afganistan seit 2003:
- die vorherrschende Korruption,
- die massenhafte Rauschgiftproduktion,
- die brachligende Wirtschaft,
usw.
so muss man zu dem Schluss kommen, dass die Deutschen mit
ihrer Anwesenheit nur eines erreicht haben, den Aufbau
eines Sumpfes der Islamischen Republik heisst und ist.
Schon bei der Petersberg-Konferenz, als fahrlässig zugelassen
wurde, dass Afganistan Islamische Republik wird, hatte ich
die größten Befürchtungen, die sich nun dramatisch
bestätigen.
Kein einflussreicher Deutscher Politiker hat die Courage
die überfalligen Konsequenzen aus dieser Entwicklung zu ziehen.
Deutsche Soldaten nach Hause und
kein Gelder mehr für diesen islamischen Dreck mit
seiner korrupten Regierung!
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War es nicht sogar Struck der einmal sagte "Natürlich habe ich eine Exitstrategie: Alle Probleme lösen und dann heimgehen. Und mit Details werde ich aus sicherheitspolitischen Gründen nicht hausieren gehen."
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FGS SiPol schrieb:
Diese Interessen (Deutschlands )sind relativ unstrittig:
- In Afghanistan soll eine stabile und fähige prowestliche Regierung regieren,
- die friedlich an den internationalen Beziehungen teilnimmt,
- Terroristen Rückzugsräume verweigert und
- Drogenanbau unterbindet.
Wenn man diese Ziele mit den jetzigen Ist-Zuständen vergleicht, dann kann man nur sagen wir haben auf der ganzen Linie versagt!
1. Die prowestliche Regierung ist eine islamische Regierung, korrupt, verdient am Drogengeschäft und denkt nicht im Ansatz daran westliche Grundwerte in der Politik umzusetzen (Beispiele wurde in den Kommentaren schon aufgezählt, fehlt nur noch das Todesurteil für den Konvertiten vom Islam zum Christentum).
Nebensatz: Was unterscheidet diese Regierung qualitativ von der Regierung Babrak Karmal 1979 unter sowjetischer Besetzung ?
2. Die afghanische Regierung nimmt friedlich an der Weltgemeinschaft teil, indem sie mit westlichen Hilfsgeldern gut lebt und gleichzeitig in manchen Gegenden von Afghansitan die Kindersterblichkeit astronomische Werte erreicht.
3. Die Rückzugsräume für Terroristen (nicht nur Taliban sondern auch Al-Kaida Leute) wurden in die Stammesgebiete entlang der pakistanischen Westgrenze verlagert (Waziristan usw).
4. Der Drogenanbau ist nicht unterbunden, sondern von 900 Tonnen (2001) auf 6000 Tonnen (2006/07) gesteigert und stabilisiert worden.
Jetzt bitte erklärt mir mal jemand, warum deutsche Opfer (Blutzoll) in Afghanistan aufgebracht werden soll ?
Die deutschen Politiker haben dies schon richtig erkannt. Diese Situation ist der Bevölkerung nicht vermittelbar und deshalb lehnt sie diesen Einsatz ab. Medientechnisch werden alle Vorfälle soweit es geht unter den Teppich gekehrt, damit zu hause ja keine kritischen Fragen aufkommen.
Ich achte die fachliche Kompetenz dieses Blogs sehr, unterstelle Ihnen absolut redliche Motive, aber die Reaktion in der Bevölkerung wird diesen Einsatz kippen und ich hoffe bevor weitere event. größere Opferzahlen zu beklagen sind.
Oder welche Antwort haben Sie für einen Soldaten, der als Verwundeter sein Lebtag gezeichnet bleibt, oder für die Witwe eines Soldaten für welches Ziel ihr Mann und Vater ihrer Kinder in Afghanistan gefallen ist ?
Die Solidarität im Nato-Bündnis, reicht meiner Meinung nach, als Antwort nicht aus !
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@FiliusBruno, Georg:
Ich kann Ihre Kritik nachvollziehen. Es war vermutlich nicht die richtige politische Entscheidung, einem relativ klar abgrenzbaren Problem (Präsenz einiger hundert Al-Qaida-Operateure) damit zu begegnen, dass man versucht Afghanistan vollständig umzugestalten.
Würde der Einsatz aber jetzt abgebrochen, hätte dies auf den Gegner vermutlich eine ähnliche Wirkung wie der Rückzug der UdSSR es hatte. Die Wahrnehmung, den Westen besiegt zu haben, würde islamistische Akteure zusätzlich motivieren und ihre Anhängerschaft stärken.
Will man dies vermeiden, muß man wohl oder übel Afghanistan soweit in den Griff bekommen, dass der Gegner ein Ende des Einsatzes nicht als eigenen Erfolg verbuchen kann. Dafür wird es notwendig sein, auf utopische Ziele auch offiziell zu verzichten. Afghanistan wird auch im besten Fall ein korrupter und rückständiger Staat bleiben. Es würde wie gesagt völlig reichen, wenn dort eine kooperative Regierung existiert, die stark genug ist, aus eigener Kraft zu überleben und die Fläche des Landes soweit zu kontrollieren, dass der Gegner dort nicht handeln kann.
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@Weblog SiPol,
zuerst möchte ich Ihnen wegen des
webblog Sicherheitspolitik
danken.
Ihre Seite ist eine der wenigen
detaillierten Informationsquellen
zum Thema in deutscher Sprache.
Nun zum thread:
Wie schon erwähnt halte ich die
Situation für den Westen in Afghanistan
für nicht zu gewinnen.
Und das wegen der zahlenmäßigen Schwäche
der eingesetzten Kräfte
und auch wegen
den endlosen unqualifizierten
Diskussionen deutscher Politiker
und den daraus
entstandenen Limitationen
über die Art des militärischen Vorgehens.
Z.B. darüber ob Aufklärungsergebnisse
der Tornados an die Amerikaner
weitergegeben werden dürfen usw. usw.
Und nicht zuletzt wegen des fehlenden politischen
Willens des Westens das Notwendige robust zu tun.
Während es am Anfang noch um Demokratie und
Fortschritt ging,
bestehen die gegenwärtigen Ziele nur noch in der
Bekämpfung der Taliban, die nur in Nuancen
"schlechter" als die gegenwärtigen Machthaber sind.
In mittlerer Zukunft wird es darum gehen, wie man
ohne Gesichtsverlust und ohne weitere deutsche
Opfer das Land verlässt.
Bezüglich dieser Frage fehlt der offiziellen Politik jede Idee.
Mein Vorschlag wäre die kommende Präsidentschaftswahl
mit einer Volksabstimmung zu verbinden.
Die Afghanen sollen darüber abstimmen ob sie:
die Präsenz der internationalen Truppen
und den Aufbau eines laizistischen Rechtsstaates
wünschen.
Wobei das und in der Frage nicht verhandelbar ist.
Ja ich weiss, diese Idee ist naiv.
Volksabstimmungen gibt es nicht mal in Deutschland.
Kehren wir zur Realität zurück.
Unterstützen Sie die Petition zur
Rettung von Sayed P. Kambachsch.
http://www.reporter-ohne-grenzen.de/kampagne-kambachsch.html
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WebLog SiPol schrieb:
"Will man dies vermeiden, muß man wohl oder übel Afghanistan soweit in den Griff bekommen, dass der Gegner ein Ende des Einsatzes nicht als eigenen Erfolg verbuchen kann. Dafür wird es notwendig sein, auf utopische Ziele auch offiziell zu verzichten. Afghanistan wird auch im besten Fall ein korrupter und rückständiger Staat bleiben. Es würde wie gesagt völlig reichen, wenn dort eine kooperative Regierung existiert, die stark genug ist, aus eigener Kraft zu überleben und die Fläche des Landes soweit zu kontrollieren, dass der Gegner dort nicht handeln kann."
Wie lange soll dies noch dauern ? Noch 10 Jahre ? Nach einem Bericht des amerikanischen Bundesrechnungshofes sind momentan von 105 afghanischen Armeeeinheiten 2 uneingeschränkt einsatzfähig, 38 mit Hilfe von westlichen Beratern und Mentoren und die restlichen 65 ?
Nach 10 Jahren russischer Besatzung mit 130000 Soldaten, einigen Hundert Panzern, Napalm, Spielzeug-Bomben, Angriffe auf Rot-Kreuz Einheiten usw. (also an Intensität überhaupt nicht zu vergleichen mit dem was ISAF tut), hat sich das Regime des kommunistischen Diktators Nadjibullah drei Jahre gehalten. Nach Einschätzung von Peter Scholl-Latour würde die jetzige Regierung Karsai nach Abzug der Amerikaner /( u. ISAF) keine drei Tage überleben.
Also, wie lange soll noch Blut fließen für einen Achtungserfolg des Westens ?
Wir sind bereits 7 Jahre in Afghanistan !
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War nicht die Rede von (noch) einer Generation? Minister Jung spricht jedenfalls von weiteren 5-10 Jahren. Im Juni starben (fielen) in Afghanistan übrigens deutlich mehr ausländische Soldaten als im Irak: 51/31.
Interessanter Kommentar:
http://www.tagesspiegel.de/zeitung/Titelseite;art692,2566806
Afghanistan - ein vergessener Krieg?
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Böse Zungen behaupten auch, daß das Interesse der Amerikaner nur hierin begründet ist:
http://www.globalresearch.ca/articles/CHI203A.html
UNOCAL ist das Äquivalent der südamerikanischen United Fruit Co.
http://www.mebb.de/hoerfunk/mspipeline.htm
Der nächste Präsident Afghanistans soll übrigen der hier sein:
http://de.wikipedia.org/wiki/Zalmay_Khalilzad
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Den Vernichtungsfeldzug der Roten Armee mit dem aktuellen Krieg zu vergleichen, halte ich für etwas gewagt. Die Sowjetunion hat (nach offiziellen Angaben) in einem Jahr durchschnittlich 1500 Mann verloren, knapp doppelt so viel wie die NATO in 7! Nach inofiziellen Angaben betrugen die Verluste insgesamt sogar 60000!
Najibullah mit Karsai zu vergleichen, ist genauso gewagt. Letzterer wurde in halbswegs fairen Wahlen von den Afghanen gewählt, Najibullah nie. Außerdem war Najibullahs sozialistische Ideologie den konservativ-islamischen Afghanen immer ein Dorn im Auge.
Peter Scholl-Latour sollte man nicht für bare Münze nehmen, er ist notorischer Pessimist.
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@Brutus: ist dieser Botschafter in Afghanistan bekannt? Und er muss immerhin noch gewählt werden.
Die Sache mit der Pipeline ist ganz einfach zu beantworten: bis heute ist kein Meter von ihr gebaut.
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Wenn das der Wunschkandidat der USA wird werden diese ihn wohl auch durchsetzen können.
Pipeline: sicher bleibt das aber ein strategisches Ziel bzw. will man sich diese Option offen halten.
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Tyrion schrieb:
"Najibullah mit Karsai zu vergleichen, ist genauso gewagt. Letzterer wurde in halbswegs fairen Wahlen von den Afghanen gewählt, Najibullah nie. Außerdem war Najibullahs sozialistische Ideologie den konservativ-islamischen Afghanen immer ein Dorn im Auge."
Okay, ich sehe schon auch, dass ich mit dem Vergleich überzogen habe. Karmal und Najibullah wurden von den Sowjets eingesetzt und Karsai wurde von der Loya Jirga gewählt.
Trotzdem ist es interessant die sojetische Invasion und das Nato Engagement in Afghanistan gegenüber zustellen.
Warum sind die Sowjets in Afghanistan einmarschiert? Ein Land ohne große Bodenschätze, zumindestens werden keine gefördert.
Von Afghanistan aus wäre die Straße von Hormuz in Reichweiter der SU 22 und SU 24 Bomber gewesen. Damit hat die Sowjetunion den freien Öltransport vom Golf und damit die westliche Lebensader bedroht.
Die Amerikaner wollen eine Erdgaspipeline von Turkmenistan über Afghanistan, Pakistan nach Karachi bauen. Auf jeden Fall nicht über iranisches und russisches Gebiet verlaufend. Die Verhandlungen mit der Taliban-Regierung sind erst nach den Anschlägen von Nairobi und Daressalam eingestellt worden.
Karmal und Najibullah sind von den Sowjets mehr oder weniger als Regierungschef einfach eingesetzt worden.
Karzai, als ehemaliger Angestellter von UNOCAL, ist den Afghanen als Präsident empfohlen worden. Wieviel Geld und wieviele Posten für die entscheidenden Leute in der Loya Jirga geflossen bzw vergeben wurden, weiß ich nicht. Auf jeden Fall wurde der amerikanische Wunschkandidat vom Westen massiv unterstützt. Warum ? Um vielleicht langfristig doch das Pipelineprojekt und damit das turkmenische Erdgas zu bekommen ?
Nun bin ich Realist genug um zu wissen, dass wegen Bodenschätze, bzw. die Versorgung des Westens mit diesen Ressourcen Kriege geführt werden. Dafur im Sudan ist Völkermord, weil China sich an das sudanesische Öl ranmacht. Ruanda war kein Völkermord, zumindestens in der damaligen Argumentation der USA, weil Amerika in der Region andere Interessen hatte.
Egal wie ich es betrachte, das erste Opfer jeden Krieges ist die Wahrheit !
Und mittlerweile muss die Bundeswehr und damit die Soldaten die geschworen haben das Recht und die Freiheit des deutchen Volkes tapfer zu verteidigen, in dieser verlogenen Veranstaltung mitspielen und ihr Leben für zweifelhafte Ziele riskieren !
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Auf den Punkt gebracht:
http://www.ftd.de/meinung/leitartikel/:Kolumne_Thomas_Klau_Berlins_hei%DFester_Brei/395382.html
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Leider wird in dem von "Oli" verlinkten Artikel in der Financial Times Deutschland "Berlins heißer Brei" auch nicht absolut deutlich was die Ziele des Einsatzes in Afghanistan sind.
Der 11. September 2001 wird zitiert. 15 von 19 Terroristen waren Saudis und keine Taliban, El Kaida ist weitgehend nach Pakistan in die Stammesgebiete abgedrängt.
Die Flüchtlingsproblematik wird zitiert. Durch den Irakkrieg sind annähernd 800000 Christen vertrieben worden, die unter Saddam Hussein im Irak relativ unversehrt leben konnten.
Nach Meinung eines anderen Bloggers sind die Ziele der afghanischen Stammesältesten mit denen der Taliban zu 90 % deckungsgleich. Wie kann man die restlichen 10 %, letztendlich nur die Machtfrage, wer regiert und das Drogengeschäft kontolliert, zu der für den Westen alles enstscheidende Frage hochstilisieren ?
Nein, auch die FTD redet um den heißen Brei herum, wenn sie keine harte politischen und wirtschaftlichen Interessen für den Einsatz benennt.
Wie wär es mit folgender ? Der Westen (USA) und China konkurrieren um den Zugang zu den turkmenischen Erdgasfeldern. Der weltweite Kampf um Energie zur Entwicklung der eigenen Volkswirtschaft wird militärisch ausgetragen, aber unter anderem Vorzeichen verkauft. Humanitäre Anliegen machen sich immer gut, denn die westlichen Gesellschaften unterstützen solche Ziele, allerdings nur wenn es nicht zuviele Opfer kostet.
Meine These ist, solange der Kampf um Energie nicht als existenzielle Bedrohung für jeden Einzelnen im Westen wahrgenommen wird, ist die Gesellschaft auch nicht bereit entsprechende Opfer zu bringen.
Es ist Zeit für einen Argumentationswechsel !
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"Nach Meinung eines anderen Bloggers sind die Ziele der afghanischen Stammesältesten mit denen der Taliban zu 90 % deckungsgleich."
Wenn das stimmt können wir gleich nach Hause gehen. Ich habe mich auch schon gefragt, was denn der wesentliche Unterschied sein soll, letztlich geht es um Macht und Einfluß, nicht um Menschenrechte in irgendeiner Form.
Die ISAF wird benutzt, partikulare Stammesinteressen durchzusetzen; es wird der Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben.
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Ich habe die Stelle wieder gefunden, wo ich das 90 % Zitat her hatte. Ich hoffe, ich habe es in diesem Zusammenhang richtig interpretiert. Es stammt von der Redaktion Weblog Sipol selbst.
"Aufständische in Afghanistan können z.B. überhaupt nur deshalb Wirkung entfalten, weil sie an verbreitete Islambilder anknüpfen. Sie haben der Bevölkerung wenig zu bieten, außer diese Anknüpfung an das gemeinsame Islamverständnis. Die weltanschaulichen Positionen von rund 90% der afghanischen Islamgelehrten sind von denen der Aufständischen kaum zu unterscheiden. Das ist ein zentrales Problem, und ein Versuch es zu bewältigen ist, die Vertreter anderer Interpretationen zu unterstützen."
http://weblog-sicherheitspolitik.net/2008/07/27/terrorismus-ein-drittel--muslimischer-studenten-in-großbritannien-äußert-sympathie-für-militante-islamisten/trackback.aspx
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Man beachte den Unterschied!
Die Masse der Islamgelehrten in Afghanistan vertritt ein Islambild, dass sich in den relevanten Punkten kaum von dem der Taliban unterscheidet.
Dennoch hat der Großteil der lokalen Führer kein Interesse an einer Herrschaft der Taliban als politischer Bewegung. Allenfalls würden sich viele mit den Taliban arrangieren, wenn diese als zu stark erscheinen.
Die weitgehende Ablehung der Taliban folgt weniger aus deren Islamvorstellungen als aus politischen, pragmatischen oder tribalen Gründen, das wollte ich ursprünglich sagen.
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Das wirft aber dann doch die Frage auf, in wie weit grundlegende westliche Werte (z.B. Gleichberechtigung der Geschlechter, "Demokratie", u.a.) dort im Volk - d.h. in den Stämmen - verankern kann.
AFG die Freiheit bringen - das is' wohl nicht, zumindest über das ISAF-Mandat hinaus.
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